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vor einer Woche

Entwicklung der Kindemode

Kürzlich habe ich mir mal wieder alte Kinderfotoalben aus der Familie angesehen. Dabei fiel mir auf, dass ich scheinbar die ganze Baby- und Kleinkinderzeit nur Strickjacken und Nicki-Strampler anhatte. Schaue ich mir die heutigen Kleinkinder an, sehe ich viele verschiedene modische Schnitte, farbenfrohe Muster und schicke Outfits, die denen der Erwachsenen in nichts nachstehen. Das legt die Vermutung nahe: Kindermode unterliegt, wie auch die Mode der Erwachsenen, einem stetigen Wandel.

Mode früher: Du bist, was du trägst

Früher spiegelte die getragene Kleidung den jeweiligen Personenstand und die gesellschaftliche Herkunft wider. Die Wahl der Kleidung war also abhängig vom Familienbudget. Allein die damit verbundene Optik eines Menschen machte es möglich, ihn einer bestimmten sozialen Schicht zuzuordnen. Erst seit dem 17. Jahrhundert ist Kleidung auch ein Ausdruck für die Lust am modischen Experimentieren mit Neuem. Doch dieses Privileg war hauptsächlich für adelige Kreise vorgesehen und schon aus Budgetgründen dem Durchschnittsbürger kaum möglich. Kinderkleidung war in den vergangenen Jahrhunderten eng an die Erwachsenenkleidung angelehnt. Ein Modebewusstsein für Kinderkleidung, auch im Sinne eines bequemen Passkomforts oder praktischen Nutzens, gab es damals noch nicht. Neben den Standesunterschieden galt die Kinderkleidung auch zur Unterscheidung des Geschlechts und des Alters des Kindes. Doch wie genau haben wir uns heute die Kinderkleidung aus den vergangenen Jahrhunderten vorzustellen?

Kinderkleidung vor Jahrhunderten: Hauptsache strapazierfähig

Bis hinein ins 16. Jahrhundert war das Ganzkörper-Wickeln von Babys und Kleinkindern üblich. Zwar konnten sich die Kleinen in den gewickelten Tüchern und Stoffwindeln kaum bewegen, doch ihre empfindliche Haut und der zarte Körper waren gut geschützt. Zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr trugen Jungs und Mädchen bodenlange Kleider. Darüber wurden je nach Witterung Hemden oder Umhänge gezogen. Hosen für Kinder waren noch weitestgehend unbekannt. Das hatte auch einen praktischen Hintergrund, denn so konnten die Kinder schneller ihr Geschäft verrichten. Kleidung war stark abhängig vom gesellschaftlichen Stellenwert der Familie. D.h. in adligen Familien wurden feinste Stoffe aus Seide oder edlen Materialien wie Brokat oder Samt verwendet. In der Arbeiterschicht einfache, meist dunkle Webstoffe aus Leinen oder Wolle, die oftmals sehr kratzig, aber robust waren. Kinderkleidung wurde in der Familie weitergegeben und von mehreren Kindern getragen. Da die Kleidung oft wochenlang nicht gewaschen wurde, musste sie strapazierfähig und nach Möglichkeit dunkel gefärbt sein. Das Tragen von weißer, heller Kleidung war nur bei besonderen Anlässen und auch nur höher gestellten Familien möglich und Kinder sollten sich auch dann auf keinen Fall schmutzig machen. Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert wurde den Mädchen der höheren Gesellschaftsschichten meistens ein Schnür-Mieder angezogen, um den Körper schon früh zu formen. Darüber kamen bodenlange Gewänder, die oft edel und aufwendig bestickt waren. In der Unterschicht hingegen wurde oftmals eine Schürze bzw. ein Träger- oder Hemdkleidchen über dem weit geschnittenen Untergewand getragen.

Kindermode im 19. Jahrhundert: Wie die Großen, so die Kleinen

Anfang des 19. Jahrhunderts begann die Kinderkleidung etwas praktischer zu werden. In der Oberschicht wurde es Mode, Mädchen in rosa und Jungs in blau einzukleiden – ein Trend, der sich auch Anfang des 20. Jahrhundert in der bürgerlichen Gesellschaft durchzusetzen begann und teilweise bis heute anhält. Adlige Jungs erhielten im 19. Jahrhundert die ersten einteiligen Anzüge, ansonsten trugen sie über dem Knie endende Kinderkleider mit Strumpfhosen darunter. Zur Biedermeierzeit (1815-1848) galten Matrosenanzüge und Matrosenmäntel bei Jungs in gutbürgerlichen Kreisen als besonders schick. Etwa ab dem 6. Lebensjahr unterschied sich auch zunehmend die Kinderkleidung von Jungs und Mädchen, lehnte sich dabei jedoch stark an die der Erwachsenen an. Bei den Jungs bedeutete das das Tragen von Hosen und Uniformen, bei den Mädchen lange Kleider und Blusen. Auch Hüte waren in der Kinderkleidung lange Zeit ein Muss und kein Kind aus der höheren Gesellschaftsschicht durfte ohne Hut auf die Straße. Das Tragen von stabilen Schuhen war der reicheren Bevölkerung vorbehalten. Ärmere Kinder liefen zu jeder Zeit barfuß oder trugen, wenn sie Glück hatten, Holzpantoffeln.

Das 20. Jahrhundert revolutioniert die Kindermode

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Tragen von Knickerbockerhosen bei Kinder beliebt. Oftmals waren die Hosen robust aus Leder gefertigt – konnten also vielen Beanspruchungen Stand halten, aber zeichneten sich nicht durch Bequemlichkeit aus. Von den 1940er bis hinein in die 60er Jahre trugen Jungs meistens kurze Träger-Stoffhosen mit Wollstrümpfen in Kombination mit Hemden oder Pullovern. Außerdem war bei Jungs das Tragen von Schieber-Mützen und bei Mädchen vor allem in Arbeiterkreisen und bei der ländlichen Bevölkerung das Tragen eines Kopftuchs üblich. Ebenfalls mit den obligatorischen, meist furchtbar kratzenden Kniestrümpfen in Kombination mit Röcken, Kleidern und Blusen, wurden heranwachsende Mädchen zu dieser Zeit gekleidet. Die Trachtenkleidung spielte in Deutschland um die Zeit des 2. Weltkriegs und auch noch 2 Jahrzehnte danach, eine wichtige Rolle in der Kindermode. Zu Beginn der 50er Jahre orientierte sich die Modeindustrie schließlich sehr am amerikanischen Vorbild und erzielte auch in der Kindermode mit Petticoats und Jeans den modischen Durchbruch. Mitte der 60er Jahre wurde die Kleidung zunehmend bequemer. Looks in Form von Stoffhosen, schwingenden Röcken und Kleidern, Blusen und Shirts sowie Rollkragen-Pullovern dominierten die Kinder-Outfits. Etwa ab den 60er Jahren war es auch endlich den Mädchen erlaubt, Hosen zu tragen. Bei den Stoffen fiel die Wahl zunehmend auf Baumwolle und pflegeleichte Materialien, da viele Haushalte inzwischen mit Waschmaschinen ausgestattet waren. In den 60er und 70er Jahren kamen zudem synthetische Fasern hinzu und Polyester wurden zur beliebtesten Materialwahl dieser Jahrzehnte.

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Baby- und Kinderkleidung heute: Vielfältig, modisch und bequem

Da sich Anfang des 20. Jahrhunderts eine eigenständige Kindermode und mit Erfindung des Stramplers Mitte der 50er Jahre auch eine breitere Sparte für Babykleidung entwickelte, die sich viele Bürger leisten konnten, verschwanden im Alltag zunehmend die Standesunterschiede. Bei festlichen Anlässen griff man nun auch in der Kindermode verstärkt auf extravagante Schnitte und feine Materialien zurück, um zwischen Alltagskleidung und Festtagskleidung zu unterscheiden. Neben der Stoffauswahl begannen große, beliebte Marken auch im Bürgertum die Mode der Erwachsenen und auch der Kinder zu revolutionieren. Dadurch spaltet sich die Mode in exklusive Houte Couture und bezahlbare Massenware. Inzwischen gibt es sogar Kinderlabels, die sich ausschließlich auf das Produzieren und den Vertrieb von Kinderkleidung spezialisiert haben – und damit sehr erfolgreich sind! Der Einsatz von bunten Farben, auffälligen Drucken und kindgerechten Mustern machte das Unterscheiden von Erwachsenenkleidung und kindgerechter Kleidung zudem immer einfacher. Außerdem sollte die Kinderkleidung ab den 80er Jahren immer praktischer und bequemer werden, was auch meinen Eindruck erklärt, in kuscheligem Nicki aufgewachsen zu sein

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