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Elterngeld und Elternzeit

von: MutterKutter MutterKutter

Planung ist das A und O für ein entspanntes Wochenbett! Das ist immer ein großes Anliegen, was ich, Kerstin, den Eltern schon in der Schwangerschaft gerne an die Hand geben möchte. Gerade der „Antrags-Dschungel“, der auf die Eltern zukommt, ist nicht immer sofort verständlich und selbsterklärend. Viele Fragezeichen ploppen auf, die nicht allein beantwortet werden können. Wo soll nun gleich das Kreuzchen gesetzt werden? Das sind Fragen, die auch an mich als Hebamme gestellt werden. Es sind Fragen, die auch ich nicht zwischen „Tür und Angel“ beantworten kann, da sie zu komplex sind und in der Regel den Rat einer Fachfrau oder eines Fachmannes bedürfen. Dazu fordere ich nämlich gerne auf: Bitte holen Sie sich professionelle Hilfestellung bei Elterngeldberatungsstelle. Auch Eltern, die unsicher in der Landessprache sind, sollten unbedingt diese kostenlose Unterstützung einfordern. Es ist immer ein gutes Gefühl, wenn alles fertig ausgefüllt in frankierten Umschlägen bereitliegt, in die nur noch die Geburtsurkunde gelegt werden muss. Zack! Ab in den Briefkasten! Außerdem garantiert das einen schnellen Zahlungseingang, denn es ist für viele Eltern schwierig, wenn der monatliche Zahlungsfluss unterbrochen oder verzögert wird. Schon das allein sollte eine Motivation sein, sich rechtzeitig mit allen Formularen zu beschäftigen.

Sozialversicherungsnummer

Ein kleiner Tipp von mir: Relativ zügig nach der Geburt des Kindes flattert ein Brief mit der Sozialversicherungsnummer des neuen Erdenbürgers ins Haus. Diesen Brief sollten Sie gut ablegen, da die Nummer gelegentlich in Antragsformularen angegeben werden muss. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass solche Dokumente gelegentlich in Umzugskisten oder unbeschrifteten Ordnern verschwinden, die man in hektischen Such-Aktionen natürlich nicht schnell wiederfindet. Deshalb rate ich: Legen Sie von vornherein einen farblich auffälligen Ordner an, in denen Sie alle Unterlagen des Kindes bzw. der Kinder, angefangen von der Geburtsurkunde, über Impf-Ausweise oder Anträge, einsortieren. Aber was können wir noch tun, um die Elternzeit entspannt und ohne Stress einzuläuten? Wir haben unsere MutterKutter-Psychologin Annika Rötters von Psychotrainment um Rat gefragt. Annika gibt nicht nur Resilienz-Kurse und verschafft uns Eltern mit ihrer Arbeit auf Instagram einen entspannten Blick auf stressige Themen – sie selbst hat erst vor rund 1,5 Jahren ihr zweites Kind bekommen und bezieht aktuell noch Elterngeld. Also eine top Ratgeberin für dieses wichtige Thema!

Annika Roetters

Annika Rötters, Psychologin (© Michelle Rötters)


Liebe Annika, wozu rätst du? Ab wann sollten sich werdende Eltern auf die Elternzeit vorbereiten?

Vorbereitung auf die Elternzeit ist auch aus psychologischer Sicht wichtiger Bestandteil der Vorbereitung auf die neue Lebensphase. Die meisten Paare haben bereits vor einer Schwangerschaft schon mal drüber gesprochen, wie sie sich das ungefähr vorstellen – sobald es „so weit ist“, gehen bei vielen Paaren die Gespräche immer wieder zurück zu „dem einen Thema“. Grundsätzliche Fragen, wie etwa: Wer möchte wann wie lange Elternzeit nehmen? Wie schnell können/dürfen/möchten beide Elternteile wieder in den Beruf gehen? Wie lange möchten/können Eltern ihr Kind zu Hause betreuen? Was ist beiden Elternteilen wichtig – wie stellen sich alle Beteiligten die Elternzeit vor… und: Wie soll die Wiederaufnahme einer Berufstätigkeit aussehen? Diese Fragen sind gut geeignet, um ins Gespräch zu kommen. Letztendlich ist eine Vorbereitung auf Elternschaft ja immer nur begrenzt möglich. Bei den meisten Paaren enden die Terminkalender mit dem ausgerechneten Geburtstermin des Babies – und das ist auch gut so: Das Leben danach wird anders sein als das Leben davor. Und: Zu 100 Prozent lässt sich das nicht vorbereiten. Wichtig ist dementsprechend, dass alle Beteiligten möglichst klar in diesen nächsten Schritt, das neue Leben mit Kind gehen.

Warum tut es eigentlich gut, etwas rechtzeitig vorzubereiten? Und was heißt "rechtzeitig" genau?

Letztendlich ist Vorbereitung eine Form von Selbstwirksamkeit: Ich habe das Gefühl, dass ich wesentliche Dinge in meinem Leben selbst mitbestimmen kann und das fühlt sich gut an. Mich vorzubereiten – gerade auf etwas so Unplanbares, wie einen (ganz neuen) Menschen in mein Familien-Netz zu „bauen“ – gibt mir das Gefühl, selbst auch wirksam zu sein, obwohl ich vieles nicht planen kann. „Rechtzeitig“ ist dabei subjektiv oft ziemlich unterschiedlich. Hier empfehle ich, dass Sie sich anschauen, wie es Ihnen im Moment geht – und sensibel in sich hineinzuhören, ob und wenn ja was Ihnen gerade fehlt. Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über das, was für Sie wichtig ist (Elternzeit? Elterngeld? Kindergeld? Betreuungssituation vor Ort? Was möchten Sie noch erfahren, bevor Ihr Kind kommt? Wo findest Sie diese Informationen?) Dabei gilt auch: Nicht alles auf einen Tag legen, sondern die Informationen, Anträge und Entscheidungen ruhig in mehrere kleine Schritte aufteilen. Vieles (wie etwa der Kindergeld-Antrag) kann in den Wochen vor der Geburt vorbereitet werden, so dass dann nach der Geburt nur noch die letzten Angaben (z.B. Geburtsdatum) ergänzt werden müssen. Im Job selbst haben gerade die letzten Jahre gezeigt, wie viel sich in ein paar Monaten verändern kann – hier ist mein Tipp derzeit also: Prozesse gut beenden bzw. übergeben und sich durchaus auch Zeit nehmen, um sich noch einmal zu verabschieden vor der Pause. Auch das „Kontakt halten in der Elternzeit“ kann schon während der Schwangerschaft vorbereitet werden – Dinge, die „zehn Minuten ungestörte Konzentration“ verlangen können möglicherweise nach der Geburt erstmal schwierig umzusetzen sein… Hier kann also durchaus schon mal die ein oder andere Nachricht (wie etwa Weihnachtsgrüße an die Kolleg*innen, ein „Jetzt ist meine halbe Elternzeit schon vorbei – nochmal so lange und ich bin wieder da“) „vorbereitet“ werden.


Wie hast du denn deine Elternzeiten vorbereitet? Was sind deine top Tipps?

Ich weiß noch, dass ich in meiner ersten Elternzeit ziemlich viele Informationen erst „nachher“ eingeholt habe… Und dann beim zweiten Kind schon im ersten Trimester begonnen habe, Informationen zu sammeln. Meine „Top-Tipps“ sind:


  1. Es ist ganz normal, wenn Ihr Kalender um den ET endet. Da kommt ein ganz neuer Mensch zu Ihnen – davon kann man sich gar nicht hundertprozentig eine Vorstellung machen.

  2. Auch wenn natürlich viele Menschen von Ihnen gerne absolute Planungssicherheit hätten – Sie sind flexibler als Sie denken. Wie viel Elternzeit Sie machen möchten, wann Sie sie nehmen möchten … all das können Sie nicht „nur einmal und dann für immer“ entscheiden, sondern kann noch angepasst werden.

  3. Es gibt sehr gute Informationsmaterialien auf den Seiten des Bundesamtes für Familie (BMFSFJ) – zum Beispiel zum Elterngeld. Für Selbstständige sind die Berechnungszeiträume zum Beispiel anders als bei Festangestellten.

  4. Elterngeld: Gerade für Selbstständige – aber auch wenn Sie planen, schnell wieder berufstätig zu sein (ggf. mit zunächst reduzierter Stundenzahl): Elterngeld Plus ist erstaunlich flexibel. Ich zum Beispiel fand es sehr gut, dass ich mit dem Elterngeld Plus nicht nur auf zwei Jahre strecken, sondern auch in den ersten Lebensmonaten Elterngeld-Pausen einlegen konnte. So konnte ich das Elterngeld wirklich nur als Einkommens-Ersatz für die Monate beantragen, in denen ich keine Aufträge angenommen habe und dementsprechend kein Einkommen hatte. Zum Beispiel hatte ich im vierten Lebensmonat meines zweiten Kindes einen Auftrag (der sich Pandemie-Bedingt leider dorthin verschoben hatte), der sehr gut vereinbar war (mit meiner (!) familiären Situation in diesem Moment, das ist also kein Maßstab – nur ein Beispiel) und ich konnte in diesem Monat dann dementsprechend das Elterngeld pausieren. Dieser Antrag kann auch verändert werden – so habe ich zum Beispiel ein paar Monate später (weil es dann plötzlich nicht mehr mit meinem zahnenden Kleinkind vereinbar war) einen ursprünglich geplanten Auftrag selbst verschieben müssen und konnte für diesen Monat dann doch noch Elterngeldplus beantragen.

  5. Prüfen Sie als Paar auch, welche Möglichkeiten Sie haben: Wenn beide Elternteile nach der Geburt eines Kindes ihre Stunden reduzieren, gibt es auch hier Möglichkeiten finanzieller Unterstützung. Dies ist natürlich auch an Einkommensgrenzen gebunden, lohnt aber bei vielen Familien einen Blick.

  6. Und noch ein Tipp für Selbstständige, den ich auch gerne vorher gehabt hätte: Prüfen Sie frühzeitig, ob Sie in den ersten Monaten nach der Geburt eventuell Basiselterngeld beantragen *müssen* (also nur, wenn Sie überhaupt Elterngeld beantragen möchten) – und ob es Leistungen Ihrer Krankenversicherung für die Mutterschutzfristen vor der Geburt gibt. Ja, auch bei privaten Krankenversicherungen. Inzwischen gibt es auch für Selbständige mehr Entlastungen als zum Zeitpunkt als das Elterngeld eingeführt wurde.




Du beziehst ja aktuell auch Elterngeld. Welche Variante hast du beim zweiten Kind gewählt und warum?

Ich habe mich für das Elterngeld Plus entschieden, einfach weil ich als Selbständige gerade dabei bin, mir ein Unternehmen aufzubauen und mir nicht vorstellen konnte, das wirklich ein ganzes Jahr zu pausieren. Mit dieser Variante konnte ich – ganz so wie es für uns gepasst hat – schon wenige Monate nach der Geburt erste einzelne kleine Aufträge annehmen und langsam meinen beruflichen Weg angepasst an unsere familiäre Situation weiterentwickeln. Dabei war mir wichtig, die Sicherheit zu haben, dass zumindest ein Teil meiner monatlichen Kosten gedeckt sind, auch wenn ich vielleicht doch keinen Betreuungsplatz finde, der zu uns passt oder die ersten Lebensjahre in irgendeiner Form intensiver verlaufen, als geplant.


Elterngeld bedeutet Sicherheit

Warum macht es deiner Erfahrung nach durchaus Sinn, dass wir das Elterngeld einmal durchrechnen?

Wenn ein Baby kommt, verändert sich vieles im Leben. Dazu gehört in vielen Familien auch die Einkommenssituation. Und auch wenn das erstmal nur eine „Veränderung auf Zeit“ ist, so ist ein neues Baby irgendwie immer auch eine „Black Box“ – wie viel sich wirklich mit diesem neuen Menschen verändert und wie lange, das kann kaum jemand mit Sicherheit sagen. Gleichzeitig sind Finanzen etwas, womit wir uns befassen sollten – und am besten nicht erst dann, wenn ein Baby kommt. Vorab einmal durchrechnen gibt uns sowohl einen Anker, an dem wir uns orientieren können als auch (oft) ein Gefühl der Sicherheit: Bis zu einem festgelegten Punkt werden wir auch nach der Geburt unseres Kindes finanziell versorgt sein – und können uns wirklich zunächst einmal ganz und gar auf dieses Wunder einlassen und uns die Zeit nehmen, diesen neuen Lebensabschnitt ganz bewusst zu erleben. Elterngeld ist ein Weg der Versorgung von Familien. Es ist eine wichtige Säule, die Eltern die Sicherheit geben darf, sich mit der Geburt ihres Kindes voll und ganz auf ihre neue Rolle und die Entwicklung einer stabilen Bindungsbeziehung zu ihrem Kind zu konzentrieren. Wir können uns nicht vollständig aufs Elternsein vorbereiten – und Alles, was alles Orientierungshilfe bietet, kann unser Gedankenkarussell entlasten. Man könnte also durchaus sagen: Vorbereitung auf die Elternzeit ist eine wichtige Säule, um gelassener in diesen neuen Lebensabschnitt zu startet – und etwas mehr Gelassenheit ist eine ziemlich gute Grundvoraussetzung für alles, was noch kommen wird…


DoroMutterKutter

Doro und Kerstin, unsere Expertinnen von MutterKutter (© Anne Seliger)

Ich, Doro, mache zwar alles eher so auf den letzten Drücker, kann dann aber in der Regel durchatmen, wenn es „soweit“ ist. Das habe ich dann auch bei meinen beiden Elternzeiten so gehändelt – einmal als Angestellte und einmal als Selbständige. Endspurt bis zur Geburt, Anträge noch mit knallrundem Bauch fertig gemacht, kurz geschwitzt, all die To-Dos veratmet und mich am Ende gefreut, dass ich alles beisammen hatte. Mit frischer Kaiserschnittnarbe hätte ich mich ungern um die Dinge gekümmert. Übrigens: natürlich haben Kerstin, Annika und ich das alles nicht komplett alleine gemacht – wir hatten viel Unterstützung von unseren Partnern. Daher wäre mein Rat auch an dieser Stelle noch: Bitte teilen Sie sich auch solche Aufgaben, wenn Sie in einer Partnerschaft leben!

Geholfen hat mir in allen Fragen rund um den Mutterschutz, Elternzeit und Elterngeld eine weitere tolle Frau: Sandra Runge. Sie ist Anwältin und als Smart Mama im Netz unterwegs. Dazu ist sie eine der beiden Frauen hinter der Initiative #proparents, die sich für Elternrechte einsetzen. Bei Sandra gibt es viele wichtige Informationen – und im Zweifel eben auch juristischen Rat, der ja sicherlich auch mal sinnvoll sein kann!

Wir wünschen Ihnen eine wundervolle Schwangerschaft und nicht zu viel Stress im Antragsdschungel. Sie schaffen das – notfalls schnappen Sie sich ein anderes (befreundetes) Elternteil und machen das gemeinsam. Dann ist es eben ein Antragsshower und keine Babyshower! Na und? Alles Liebe!